Das besondere Objekt


< Was noch ...? < Depot


Das besondere Objekt aus der Sammlung:  

 
12 x 7,5 x 8 cm
  

Weisse Porzellanfigur 'liegender Soldat'
(Souvenir an den 1. Weltkrieg)

1847 erlebte die Eidgenossenschaft letztmals kriegerische Ereignisse auf ihrem Boden (Sonderbundskrieg, General Dufour). Zwar war der deutsch-französische Krieg 1870/71 nahe an der Landesgrenze, aber ausser dem Grenzübertritt der abgedrängten Bourbaki-Armee spürte die Schweiz nicht viel von den Kriegsereignissen.

Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo war der zündende Funke für den 1. Weltkrieg. Die Lunten waren schon lange vorbereitet, der deutsche Kaiser wollte diesen Krieg und stürzte Europa erstmals im 20. Jahrhundert ins Elend. Zwar glaubte man an einen kurzen Waffengang. Jahrzahlen auf Souvenirs und Urkunden zeigen dies (1914/15; 1914 – 1916) u. a. Doch was in Europa begann, weitete sich zum Weltkrieg aus. Vor allem die Westfront zu Frankreich war schrecklich umkämpft und da blieb im wahrsten Sinn des Wortes kein Stein auf dem anderen. Gasangriffe, erste Panzer, schwerste Geschütze, Flugzeuge und U-Boote waren neue Kampfmittel, die Millionen von Toten und Versehrten verursachten.
Die Schweiz war schlecht auf diesen Krieg vorbereitet. Ausrüstung, Bewaffnung, Ernährungslage, Armeeorganisation, Versorgung der Zivilbevölkerung und Aufrechterhaltung der Volkswirtschaft lagen im Argen. Das Land geriet in Not. Grosse Arbeitslasten lagen auf den Schultern der Frauen und alten Leute, während die Männer an den Grenzen warteten. Ein Kapitel des Heimatbuchs V berichtet anschaulich über diesen Zeitabschnitt.

Aber auch schreckliche Ereignisse gehen vorüber und in der Erinnerung verklärt sich vieles. So wirkt dieser weisse, propere Porzellansoldat unserer kleinen Skulptur irgendwie paradox. Man bedenke, dass er als Füsilier vor allem im Dreck gelegen hat!
Mit Vollpackung, das Gewehr in der rechten Hand, sich auf den linken Arm stützend liegt er da und beobachtet aufmerksam was vor ihm liegt. Er trägt auf dem Kopf einen sogenannten Tschako, einen kurzen Waffenrock, genagelte Schuhe mit Wadenbinden und eben die Packung. Um den „Affen“ ist der peinlich genau gerollte Kaput gebunden, obendrauf die Gamelle.
Auf der Vorderseite ist farbig das Schweizerwappen angebracht, ein Schwert und dazu (Friedens-) Palmwedel. Dann eben die ominöse Jahrzahl „1914 - 15“. Offenbar glaubte der Hersteller den politischen Prognosen, wonach der Krieg nur kurz dauern werde. Der Irrtum ist so in einem hehren Souvenir erhalten geblieben!

Die Nachkriegszeit brachte weitere Not über die Bevölkerung: Generalstreik verbunden mit sozialen Unruhen, die „Spanische Grippe“, die Maul- und Klauenseuche und etwas später den Börsenkrach.